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Pour Monsieur

http://lamourenflacon.blogspot.com/2015/07/pour-monsieur.html

Seit meinem (mit einem Augenzwinkern zu genießenden) Essay über den L'Homme Idéal bekomme ich viele Zuschriften von den Herren der Schöpfung mit der Bitte ihnen mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Das tue ich liebend gern und möchte mit euch gemeinsam der Frage nachgehen, was einen wahren Gentleman heutzutage ausmacht? ...dass der perfekt gewandete Herr nach 18 Uhr zum dunklen Maßanzug (niemals in einem braunen und schon gar nicht in der Stadt) schwarze Schuhe trägt und selbstverständlich pünktlich erscheint (schließlich ist Pünktlichkeit die Höflichkeit der Könige) oder aufsteht, wenn eine Dame den Raum betritt und sie mit einem Handkuss begrüßt (dabei dürfen die Lippen die Hand natürlich nicht berühren) und dann beim anstoßen das Weinglas nur am Stiel anfasst, weil er sich in jeder Gesellschaft mit Geschmeidigkeit im Auftreten angemessen zu verhalten weiß und das völlig unangestrengt und mit einen nahezu rebellischen Sinn für Humor und einem Lächeln, das für Herzklopfen sorgt? ...oder ist es die Ausstrahlung einer selbstverständlichen und natürlich-einnehmenden Männlichkeit – kombiniert mit einer lässigen Attitude von unaufdringlicher Sinnlichkeit? ...oder gibt es keine Kavaliere mehr, Männer mit Contenance und formvollendeten Umgangsformen, die lächelnd zu schweigen verstehen (mit einigen aristokratischen Ausnahmen, die auf abgelegenen Landsitzen anzutreffen sind, obwohl die Zeiten längst vorbei sind, da der Definition nach ein Gentleman von adliger Herkunft sein muss, um überhaupt Gentleman sein zu können, schließlich macht die Einstellung zum Leben einen Edelmann aus), weil die moderne Frau unabhängig, selbstständig und kompetent ist und nicht müßig darauf wartet Wünsche erfüllt oder die Tür aufgehalten zu bekommen oder weil die Mühen und Anstrengungen unserer Zeit schlichtweg unvereinbar mit dem Selbstverständnis eines Gentlemans sind?


Ich bin der festen Überzeugung, dass der aufmerksame, nie aufdringliche, stets zuvorkommende, elegante und humorvolle Gentleman mit seiner nonchalanten Höflichkeit und exzellenten Umgangsformen nie aus der Mode kommt und dass Galanterie keinesfalls überholt ist und es gewisse tugendhafte Rituale gibt, über die sich jede (noch so emanzipierte) Dame freut. Kann es denn etwas reizvolleres geben, als Konventionen und Manieren begehrenswert vereint mit Charme und Einfühlungsvermögen und einem neugierigen Blick von magnetischer Anziehungskraft (ganz genau neugierig - denn das bedeutet, dass er sich interessiert und um das kümmert, was ihn umgibt und erst das Interesse an der Welt, die Erfahrung mit ihr, macht ihn zu etwas, für das es den Begriff weltmännisch schließlich gibt)? Also habe ich mich entschlossen dem starken Geschlecht einen charmanten Beitrag zu schenken und euch meine maskulinen accessoires obligatoires – jenseits aller Modetrends – vorzustellen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit wohlgemerkt). Unter der Maxime: Schlicht, klassisch und minimalistisch. Denn dies sind Attribute, die den Inbegriff der zeitlosen und eleganten Männlichkeit für mich ausmachen. 

JOY Forever Jean Patou

http://lamourenflacon.blogspot.com/2013/12/joy-forever-von-jean-patou.html

Alle großen Geschichten haben einen geheimnisvollen Anfang. Das gilt auch für die zeitlose Legende der klassischen Duftikone JOY von Jean Patou.

Als sich die Welt 1930, nach dem folgenschwersten Börsencrash der Geschichte, auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise befand und unter rigiden Sparmaßnahmen litt, wurden Transatlantikflüge und Designermode für die Damen der gehobenen Gesellschaft nahezu unerschwinglich, weil das Vermögen ihrer wohlhabenden Gatten zerronnen war. Der Pariser Couturier Jean Patou beauftragte damals den berühmten Parfumeur Henri Alméras einen kompromisslosen und außergewöhnlichen Duft zu kreieren, um dem Blues der wirtschaftlich schweren Zeiten und der daraus resultierenden Depression entgegenzuwirken. Monsieur Alméras erschuf ein olfaktorisches Meisterwerk. Die wertvolle Rezeptur verwebte, in einer noch nie dagewesenen Konzentration, die seltensten und kostbarsten Blütenessenzen, um diesem einzigartigen Duft ein opulent-duftendes Bouquet zu verleihen und das berühmte französische joie de vivre zu versprühen.

Das war die Geburtsstunde von JOY und der Beginn einer faszinierenden Duftlegende, die bis heute Synonym für Luxus und Eleganz ist. Die Gesellschaftsreporterin Elsa Maxwell beschrieb JOY einst, als das teuerste Parfum der Welt - «le parfum le plus cher du monde» (was allerdings im Französischen auch als ein Wortspiel verstanden werden und nicht nur "das teuerste", sondern auch das "am meisten geliebte" bedeuten kann). Den Ruf trägt JOY nicht unbegründet, werden doch mehr als 10600 Jasminblüten und 28 Dutzend Damaszener Rosen für die Herstellung von 30 ml reinen Parfums benötigt.


Der wahre Geniestreich von Jean Patou bestand darin, das teuerste Parfum der Welt, nicht zu einem astronomisch hohen Preis zu verkaufen, sondern es an seine 250 besten amerikanischen Kundinnen, als Geste der Wertschätzung, zu verschenken.