Posts mit dem Label Sylvaine Delacourte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Sylvaine Delacourte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sylvaine Delacourte, Lilylang, Smeraldo, Dovana, Helicriss, Florentina


https://lamourenflacon.blogspot.com/2017/07/sylvaine-delacourte-lilylang-smeraldo.html

Aufrichtig und fragil, so schonungslos wie poetisch - der Entschluss einer eigenen Parfum-Marke das Leben zu schenken, kam für Sylvaine Delacourte einer persönlichen Metamorphose gleich hin zu mehr Mut und (paradoxerweise) auch mehr Zerbrechlichkeit. Denn mit ihren Düften offenbart sie der Welt ihr intimstes – Emotionen, Sehnsüchte und Geschichten und immer wieder Erinnerungen an erlebnisreiche Reisen – eingefangen und olfaktorisch wiederbelebt, als hätte sie diesen Momentaufnahmen aus ihrem Leben ein Stück Seele eingehaucht. In den ersten fünf Düften ihrer Kollektion, lässt uns Sylvaine Delacourte verschiedene Persönlichkeiten von dem edlen und mysteriösen Rohmaterial des weißen Moschus entdecken und kreiert ganz neuartige, sehr moderne und verblüffend puristische Interpretationen dieser Ingredienz - farbenreich und differenziert umgesetzt, schöner hätte ich es mir wohl nicht wünschen können. Ob fruchtig-sonnig, pflanzlich-frisch, nüchtern-rein, holzig-würzig oder pudrig-samtig – Sylvaine beherrscht die Klaviatur der Moschusakkorde perfekt (wie sie bereits mit einer Vielzahl von herausragenden Düften eindrucksvoll für Guerlain unter Beweis gestellt hat) und möchte nun, dass Duftliebhaber alle Facetten erkunden, die ein außergewöhnliches und schwierig zu meisterndes Material wie Moschus zu bieten hat. Deshalb beinhalten die Kompositionen auch nicht nur eine Moschusnote, sondern eine besondere Mischung verschiedener Moschussorten. Das Zusammenströmen dieser reizvollen Mixtur, zieht mich sanft, aber bestimmt in das Innerste der Düfte hinein, wo voller Leichtigkeit und ohne ambitionierte Anstrengung die Kompositionen von Ingredienz zu Ingredienz schweben und zu einem kurzweiligen Vergnügen geraten. Madame Delacourte ist eine große Liebhaberin von Moschus. Diese Ingredienz ist leicht wie Seide, edel wie Samt, weich wie Kaschmir, zudem sehr beruhigend, elegant, raffiniert und warm und hat die unerreichte Fähigkeit, eine Parfum-Komposition zu beleben, die Ausstrahlung zu verstärken und abzurunden. Das Aroma schmiegt sich ganz nah an die Haut, doch hinterlässt keine Spur von sich in der Luft und ist nur äußerst leicht wahrnehmbar (nur in reinen Monodüften kommt der faszinierende Charakter gänzlich zum Vorschein). Moschus hat eine gute Haltbarkeit, allerdings ist es sehr kompliziert dessen Diffusion zu händeln und zu bändigen. Dieser Rohstoff ist deshalb sehr schwer zu erfassen und zu bearbeiten. Oft muss ein ganzer Blumenstrauß um Moschus orchestriert werden, damit ihn jeder gut ausmachen und der Duftbaustein zusammen mit der Körperwärme eine harmonische Aura entwickeln kann. Dieser Herausforderung – Moschus gut versprühbar und wunderbar zur Geltung kommen zu lassen – hat sich Madame Delacourte angenommen und diese, wie ich finde, bravourös gemeistert und damit wieder einmal eindrucksvoll gezeigt, dass sie zu den vielseitigsten Künstlerinnen ihres Genres gehört.  
 


Sylvaine Delacourte Interview

https://lamourenflacon.blogspot.com/2017/07/sylvaine-delacourte-interview.html

Trotz Emanzipation und Frauenquote gibt es immer noch Berufe, die seit Jahrhunderten als reine Männerdomäne gelten und in denen Frauen es recht schwer haben sich durchzusetzen und zu etablieren. Die Parfumerie zählt zweifellos dazu. Natürlich gibt es gesellschaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Veränderungen und Frauen können sich immer mehr verwirklichen und ihr Können und Wissen unter Beweis stellen. Doch leider fällt noch zu oft das Argument, Frauen könnten keine erotischen Parfums kreieren. Ein Vorurteil, mit dem Männer die Duftbranche nahezu frauenfrei hielten (bzw. zum Teil immer noch halten). Die glorreichen Zeiten der Parfumgeschichte waren von Männern geprägt. Die erste bedeutsame Parfumeurin, an die ich mich erinnern kann, ist Sophia Grojsman, die den pudrig anmutenden Weltbestseller Trésor oder mit Paris den wohl schönsten Blütentraum seiner Zeit für Yves Saint Laurent komponierte. Später eroberte Annick Menardo das Parfum-Parkett und revolutionierte mit ihren kreativen Schöpfungen die Duftwelt, wie dem süßen, schweren und hocherotischen Hypnotic Poison oder dem sinnlich-warmen Bois d’Arménie für Guerlain – einem ganz umhüllenden und mysteriösen Duft-Erlebnis, das mit einer bis dahin nicht gekannten weichen Holzigkeit des Gaiac-Holzes (des Holzes des Lebens „Lignum Vitae“) überraschte und dazu mit süßrauchig-harzigen und außergewöhnlich-schillernden Facetten, verziert war. Mitte der 80er begann auch die Erfolgsgeschichte von Sylvaine Delacourte. Sie ist für mich definitiv eine (der wenigen) Pionierinnen im Bereich der Haute Parfumerie. Lange Zeit verweilte sie hinter den Kulissen (bzw. im Schatten berühmter Männer wie Jean Paul Guerlain und Thierry Wasser) und hat dabei doch die Art, wie wir uns heute in großem Maße beduften, mitbestimmt und unsere Wahrnehmung von Parfum verändert. Deshalb sehe ich Sylvaine Delacourte als eine der bedeutendsten Damen in der Welt der schönen Düfte.