Es war einst ein Hut. Flamboyant und exzentrisch. Er machte sich auf einen schicksalshaften Parforceritt durch Länder und Kontinente, um die Lunte für Naomi Goodsirs explosionsartige Karriere zu legen. Begonnen hat alles am anderen Ende der Welt in Sydney mit einem klassischen Modedesign-Studium. Obwohl... so ganz klassisch war dieses Studium dann eigentlich doch nicht. Denn die Australierin, die mit einem ebenmäßigen Porzellanteint gesegnet ist, um den sie selbst Schneewittchen beneiden würde, genoss erstaunlicherweise keinen praktischen Unterricht, sondern erschloss sich das gesamte Wissen um das Schneiderkunsthandwerk scheinbar en passant in endlosen Gesprächen mit ihrem Professor selbst. Nach ihrem Diplom experimentierte sie, umgeben von Textilien, Nadeln, Garn, mit verschiedenen Materialien (Leder, exotischen Häuten, Pelzen), modellierte, schneiderte und arbeitete mit ihren Händen (denn das ist ihre wahre Leidenschaft – etwas mit den eigenen Händen neu zu erschaffen). Sie lernte, dass die wahre Schönheit einer großen Modekreation nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist, sondern vielmehr im Detail liegt. Wohl deshalb verschrieb sie sich letztendlich der anspruchsvollen Tradition der Chapellerie. Dabei lässt sie sich vom sehr offen gehaltenen Ansatz ihrer Ikone – Elsa Schiaparelli – inspirieren, Mode mit Kunst zu verbinden. Eigentlich ein Paradoxon, das sie stets vor eine besondere Herausforderung stellt: Wie konkret und wie frei soll oder muss sie sein, wenn sie gleichzeitig das Erbe der klassischen Hutmacherei lebendig halten und relevant für die Zukunft sein will?
